Neuraltherapie

J Neurol Orthop Med Surg (1993) 14:109-114
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Neuraltherapie – Ein Artikel veröffentlicht von Dr. med. Dietrich Klinghardt

Neuraltherapie ist ein Behandlungssystem für chronische Schmerzen und Erkrankungen. Es umfasst die Injektion von Lokalanästhetika in autonome Ganglien, periphere Nerven, Narben, Drüsen, Triggerpunkte und anderes Gewebe.
Es wurde gezeigt, dass chronische Erkrankungen in den meisten Fällen mit Veränderungen im autonomen Nervensystem und am Potential der Zellmembran von Ganglien und Nervenfasern in Zusammenhang stehen, was wiederum zu Änderungen der Leitfähigkeit führt.

 

Der Haupteffekt ist der Zustand eines elektrischen Chaos auf der Rückenmarksebene mit der Folge, dass der Kontroll- und Auswahlmechanismus versagt. Abnormale neurale Signale überfluten das Gehirn, die zu Störungen im Zentral-, im vegetativen Nervensystem und im Hormonhaushalt führen.

 

Diese zentralen Veränderungen ermöglichen ihrerseits die Fortsetzung der ursprünglichen Änderungen in der Peripherie und so entsteht ein Teufelskreis.
Mithilfe der Neuraltherapie kann dieser Kreis durchbrochen werden. Der erste Schritt dabei ist der Versuch, die „ursprüngliche Verletzung“ zu finden, nämlich die Struktur, die das erste abnormale Signal in das vegetative Nervensystem abgab. In der Sprache der Neuraltherapie wird diese Sruktur als Störfeld (interference field) bezeichnet.

 

Häufig ist das Störfeld eine Verletzung, eine Narbe oder eine subklinische Erkrankung wie eine unentdeckte, symptomlose Kieferknochenkavität, ein devitaler Zahn, chronisch entzündete Mandeln oder Nebenhöhlen. Jede akute Krankheit kann das betroffene Organ als einen aktiven Herd zurücklassen, trotz scheinbarer Erholung von der Ausgangskrankheit.

Ariane Zappe erlernte Neuraltherapie bei Dr. med. Dietrich Klinghardt und der DGFAN (Deutsche Gesellschaft für Neuraltherapie und Akupunktur)

Experimente von Prof. Albrecht Fleckenstein (Med. Fakultät der Universität Freiburg) in den frühen 70er Jahren zeigten, dass die Injektion von Novocain in einen Lymphknoten oder einen Lymphkanal zu einer extensiven Erweiterung dieses Kanals und zu einer dramatisch gesteigerten Transportgeschwindigkeit der Lymphflüssigkeit führen kann. Er bewies auch, dass das lymphatische System in bestimmten Teilen des Körpers von Krämpfen heimgesucht werden kann, wobei jeglicher Transport durch seine Kanäle unterbleibt. Dieses Stadium kann über einen langen Zeitraum andauern. Nach der Injektion eines Lokalanästhetikums in den betroffenen Lymphknoten nimmt das Lymphsystem seine normale Tätigkeit oft sofort wieder auf.

 

Wir finden bei allen Borrelien-Patienten Störfelder, 80 % davon im Kopf-Hals-Bereich.

 

Indikatoren für eine durch Störfelder verursachte Krankheit sind:

 

Mit dem Autonomen Response Test ART steht uns eine Diagnosemethode zur Verfüng, die in der Lage ist, diese kausalen Zusammenhänge der Störfelder zu erkennen.

Gewisse empirische Beziehungen zwischen Störfeld und Krankheit sind geläufig:

  1. Die Krankheit spricht nicht auf andere Therapien an.
  2. Eine andere Behandlungsart verursachte eine unerwartete Verschlechterung beim Patienten. Beispielsweise erhielt ein Patient wegen chronischer Knieschmerzen eine Injektion ins Kniegelenk, aber es trat eine Verschlechterung ein. In der Neuraltherapie wird dies „Reaktionsphänomen“ genannt. Es zeigt an, dass ein anderes Störfeld den Knieschmerz verursacht.
  3. Alle Symptome befinden sich nur auf einer Körperseite. Ein Patient hat z.B. rechtsseitigen Tinnitus, rechtsseitigen Armschmerz und rechtsseitigen Knieschmerz.
  4. Anhäufung von Störfeldern: Nach Blinddarmentfernung entwickelt der Patient rheumatische Arthritis. Die Blinddarmnarbe bildet ein weiteres Glied in der Kette von Störfeldern und ist nun stark genug, die rheumatische Arthritis zu verursachen. Jetzt müssen alle beteiligten Störfelder gefunden und behandelt werden.

Mit dem Autonomen Response Test ART steht uns eine Diagnosemethode zur Verfüng, die in der Lage ist, diese kausalen Zusammenhänge der Störfelder zu erkennen.

Gewisse empirische Beziehungen zwischen Störfeld und Krankheit sind geläufig:

  1. Mandeln – Kniegelenk
  2. Bauchdeckennarbe – große Gelenke und unterer Rücken
  3. Beinnarben – Ischias
  4. Mandeln und Zähne – Migräne
  5. Prostata, Bauch und Nebenhöhlen – Hals
  6. Gallenblasennarbe – Schulter
  7. Beckennarben – PMS, Depression Arthritis

Um die vielschichtigen und komplexen Zusammenhänge nachvollziehen zu können, ist es wichtig, die energetischen Beziehungen zu verstehen, die in verschiedenen „Heilungssystemen“ gelehrt werden. Eine Narbe, die einen bestimmten Akupunktur-Meridian kreuzt, wird eher Störungen an Strukturen hervorrufen, die zu diesem in Beziehung stehen.

 

So ist z.B. eine Gallenblasennarbe oft Auslöser für chronischen Hüftschmerz. Ebenso bedeutsam ist das Verständnis für die Zahn- und Organbeziehungen. Die vier Frontzähne im Ober- und Unterkiefer stehen z.B in Beziehung zum Urogenitaltrakt und sind oft verantwortlich für Beckenschmerz, chronische Nierenkrankheit und sogar bösartigen Veränderungen in den Beckenorganen.

 

Ein weiteres Beispiel ist der Weisheitszahn, der oft chronische Herzprobleme auslöst.

Kontraindikationen

Das Herz betreffende (kardiale) Erkrankungen: Bradykardien, AV-Block III°, nicht abgeklärte Rhythmusstörungen bzw. nicht funktionell bedingte Herzrhythmusstörungen. – Wichtig: Bei abgeklärten funktionellen Herzrhythmusstörungen ist die Neuraltherapie wiederum sinnvoll.

Relative Kontraindikationen

  1. Blutgerinnungsstörung: Bei jeglicher Blutgerinnungsstörung sollten schwierige und tiefe Injektionen unbedingt unterlassen werden. Wichtig: Auch freiverkäufliche Schmerzmittel wie Acetysalicylsäure, Diclofenac und Ibuprofen haben eine gerinnungshemmende Teilwirkung, die eine Woche anhalten und ein erhöhtes Hämatomrisiko bedeuten kann.Cholinesterase-Mangel und Myasthenia gravis.: Ob die Neuraltherapie zum Einsatz kommen darf, hängt vom Ausmaß der Enzymstörung ab. Bei Myasthenia wird Procain relativ langsam abgebaut und verstoffwechselt, was im ungünstigsten Fall eine toxische (giftige) Wirkung auslösen kann.Akute Infektionserkrankungen, Tuberkulose, instabiler Diabetes mellitus, psychiatrische Erkrankung, Injektionen bei Krebserkrankungen.Schwangerschaft: Von dem kurzwirksamen Lokalanästhetikum Procain ist kein teratogener Effekt bekannt. Dennoch sollte von einer Neuraltherapie in den ersten 12 Wochen einer Schwangerschaft abgesehen werden. Von Injektionen direkt an den Plexus uterovaginalis ist ebenfalls abzuraten.